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Samstag, 10. September 2016

Thailand - Burma und Laos in nur 2 Tagen. Bin ich verrückt?

Ein schneller Ausflug mit vielen Eindrücken!

Ich mache für zwei Tage einen Ausflug in Nordthailand, es geht nach Chiang Rai, Mae Sai, an Burma vorbei bis nach Laos.

Wer meinen Blog bis hierher aufmerksam verfolgt hat, der weiss, dass ich hier schon einmal auf Tour unterwegs war. Damals war es lausige fünf Grad warm und es regnete in einem fort, so dass wir diesen Ausflug vorzeitig abgebrochen haben und fast unterkühlt wieder in die Wärme zurückkamen.

Das, was ich allerdings gesehen hatte, war so schön, dass ich alles unbedingt bei angenehmeren Temperaturen noch einmal anschauen wollte, so ganz in Ruhe gewissermassen.

Auf der Reise in Richtung Chiang Rai stoppten wir, als wir bei einem der zahlreichen Hot Springs vorbeikamen:

Bis zu 70 Grad Celsius heiss ist das Wasser, dass unter hohem Druck aus dem Inneren der Erde emporschiesst. Gleichermassen kluge und geschäftstüchtige Thais haben sich das Land gekauft, ein paar Springbrunnen gebaut, dazu Restaurants, Souvenirshops und es dauerte tatsächlich nicht lange, bis die Touristen kamen.

Für 20 Bht gibt es vier rohe Eier zum Frühstück, die man sich dann selbst im heissen Wasser kochen kann. Das mussten wir selbstverständlich ausprobieren. Anschliessend setzten wir uns an den Rand eines kleinen Baches und tauchten die Füsse ins Wasser. Ganz langsam und vorsichtig, schliesslich ist das Wasser hier wirklich sehr heiss, besonders an den Stellen, an denen es direkt aus dem Boden kommt. Ja, ich habe schon einmal einen ähnlichen Ort besucht, an dem das Wasser so heiss aus dem Boden kam. Dort war es ein richtiger grosser Park, mit allem Pi-pa-po, hier ist es einfach nur ein kleiner Stopp.

Wir trockneten unsere Füsse ab, zogen die Flipflops wieder an, und setzten unsere Fahrt bei diesem schönen heissen Wetter fort.

Gut drei Stunden später sind wir bereits am Golden Triangle, der Stelle, an der sich Thailand, Laos und Myanmar begrüssen und "Hallo" zueinander sagen.

Wer mag, kann sich hier ein kleines Boot mieten, muss aber zuerst seinen Pass abgeben. Dieser wird bei der Thai Immigration deponiert, so gehen die Behörden sicher, dass sich niemand verkrümeln und abhauen kann, weder Einheimische noch Touristen. Dann kann man ein kleines Boot für sich alleine mieten oder man fährt mit dem grösseren Boot mit, auf dem auch immer viele Chinesen unterwegs sind. 

Die Reise geht über den Mekong, an Myanmar vorbei bis hinüber nach Laos. Du darfst tatsächlich auch den Boden von Laos betreten, für ganze dreissig Minuten lang. Am Ufer gibt es eine kleine Zone, in der es neben Restaurants und Bars auch jede Menge Souvenirshops gibt. Jeder achtet auf seinen Nebenmann und auch darauf, dass sich niemand in die Büsche schlägt und im Dschungel verschwindet. Das fände ich auch keinesfalls empfehlenswert, wer weiss denn, was sich neben Polizei und Militär noch im Dschungel verbirgt?

    

Ich tauche erst einmal in die kleine Hütte, die eine Bar improvisiert und trinke das erste Beer Lao meines Lebens. Juhu: Ich bin tatsächlich in Laos, zwar weit weg von der Wirklichkeit, in der die Einheimischen leben, aber hey, in Laos.

Ob die Souvenirs hier wirklich günstig sind, oder nicht - das weiss ich nicht sicher. Wie überall in dieser Gegend lässt der Händler mit sich handeln, deswegen heisst er ja auch so. Auf die Hälfte des ursprünglich genannten Preises lassen sich die meisten herunterhandeln, auch wenn mein Reiseführer mich gewarnt hat: "Marcel", sagte er: "auch diese Leute müssen von irgend etwas leben. Handle also nicht zu viel runter!" Ich sage dagegen einfach, was für mich das Zeug wert ist, der Verkäufer nennt seinen Preis und wir treffen uns irgendwo in der Mitte, also meistens bei 50 Prozent ;-) 

  

Allerdings bleibt bei einem Aufenthalt von 30 Minuten Dauer nicht viel Zeit, auch wenn die Anzahl der Stände recht übersichtlich ist. Wir legen wieder ab und schippern über den Mekong nach Thailand zurück. Auf diese Weise habe ich innerhalb einer Stunde drei Länder besucht, das ist voll cool. Leider gab es dafür keinen Stempel im Reisepass.



An zahlreichen Polizei- und Militärkontrollen vorbei fuhren wir mit dem Auto bis Mae Sai. Die Stadt liegt direkt an der Grenze zu Myanmar und ist somit die letzte Stadt in Thailand. Wer hier einmal unterwegs sein sollte, dem empfehle ich, durch die ganze Stadt hindurch zu fahren, immer in Richtung Zoll. Kurz vor der Zollkontrolle zweigt eine kleine Strasse ab und führt den Berg zu einem Tempel hinauf, dem Wat Phra That Doi Wao. Von hier oben ist der Ausblick über Thailand und Myanmar echt fantastisch! Selbstverständlich säumen auch hier wieder zahlreiche Stände den Weg. Wer günstig einkaufen will, sollte das Handeln nicht vergessen.



Hier wollte ich mir eigentlich ein paar neue Haare kaufen. Allerdings weiss ich nicht, ob es schlussendlich an der Haarfarbe oder der Frisur lag, aber die Second-Hand-Perücke passte irgendwie nicht so recht zu mir, oder? Ich lasse lieber weiter meine Haare ganz kurz schneiden, damit die Glatze darunter nicht so auffällt ;-))

An der Hauptstrasse reihte sich eine Strassenküche an die andere. Hier kann man sich einfach hinsetzen und bekommt eine frisch zubereitete Suppe mit Hühnchen oder Beef serviert, wenn man sie bestellt. Einfach noch Chili dazugeben und die dann wirklich würzige Suppe mit frischem Gemüse geniessen. Das ist ein Geschmack, den man sonst nirgendwo bekommt.


Wir übernachten in einem netten kleinen Bungalow mit Pool für 500 Bht, rüsten uns mit einem Chang Bier und begeben uns in den Pool, auch wenn es regnet. Aber da wir hier fast alleine unterwegs sind, spielt das wirklich keine Rolle. Und warm ist es ja...

Gute Nacht.



Am nächsten Tag fahren wir weiter, bis zum Doi Tung Palace in Mae Fa Luang, der auch The Doi Tung Royal Villa genannt wird. Hier komme ich mir fast wie zu Hause vor: Die königliche Villa wurde stark von der dortigen Architektur beeinflusst. In der Doi Tung Royal Vila residierte einst Ihre königliche Hoheit Prinzessin Srinakarindra, die Königsmutter. Die Prinzessin Galyani Vadhana war an der Gestaltung beteiligt, so dass eine wirklich schöne Villa entstand.

Ein Besuch lohnt sich hier auf jeden Fall: Ich ging die Straße hinauf zur Villa, vorbei an wunderschönen farbigen Blüten, Bananenbäumen, Palmen und anderen sattgrünen Pflanzen, die ich gar nicht alle aufzählen kann.

Der Audio Guide verrät mir auf Deutsch, wie Ihre königliche Hoheit hier in ihrer königlichen Villa lebte. Da für Hoheit die Zähne wichtig waren, damit sie ein ausgeglichenes Leben führen konnte, war in der Villa sogar ein kleiner Behandlungsraum eingerichtet, der mit allem ausgerüstet war, was im Notfall gebraucht wurde. Das war schon sinnvoll, schliesslich gab es damals noch nicht die Möglichkeit, fix mit dem Auto oder Helikopter in die nächste Klinik zu eilen.

In der Villa selbst durfte ich leider nicht fotografieren. Aber ihr könnt mir glauben: Alles ist sehr faszinierend. Besonders ergreifend finde ich ja die positiven Gedanken und die Einstellung, die Ihre königliche Hoheit vielem gegenüber hatte.

    

Gleich unterhalb der königlichen Villa liegt der wunderschöne Garten Mae Fa Luang, der damals ebenso wie heute ausserordentlich liebevoll gepflegt wird und zum Verweilen und Träumen einlädt. Wie gerne wäre ich im Garten gewesen, als Ihre Königliche Hoheit noch hier weilte: Ab und zu zeigte sie sich den Besuchern, wenn sie auf dem Balkon stand und dort ihre Blumen pflegte.

Hier kann man einen wirklich ausgiebigen Spaziergang machen, kommt an einem Teich mit Seerosen vorbei, überall blühen die Pflanzen, tropische Bäume wuchern und eine Zip-Line führt durch den Dschungel. Ich habe tolle Baumhäuser gesehen und eine echte Hängebrücke. Auch wenn ich ganz schön ausser Atem kam, so in diesem tropischen Klima bei der heissen Sonne. Aber es war wieder ein wunderschöner Eindruck, den ich hier auf meiner Reise gewinnen konnte.

      

Am Schluss sah ich ein Haus, an dem viele Nationalflaggen gehisst waren. Die thailändische Flagge war gleich neben der mir so gut vertrauten Schweizer Flagge, ein treffendes Indiz dafür, wie gut die Beziehungen zwischen Thailand und der Schweiz sind. Schliesslich waren ja bereits Mitglieder der thailändischen Königsfamilie in meiner Heimat, wie der eine oder andere sicher weiss.


Doi Tung; Switzerland in Thailand

Wir fuhren bis zum Singha Park, der sich in der Nähe von Chiang Rai befindet. Wer bei diesem Namen an Singha Bier denkt, liegt genau richtig: Das Unternehmen ist der Sponsor des Parks. Dieser ist weitläufig genug, dass er mit einer geführten Bus Tour oder mit dem Fahrrad besichtigt werden sollte, es gibt einen Zoo, Restaurants und - Zip-Line. Die Zip-Line grinste mich verführerisch an, so dass ich nicht anders konnte: Ich musste sie ausprobieren.

Ich stieg also bestimmt gefühlte 100 Meter hoch auf einen Turm, dort wurde ich in eine Art Klettergurt gut verpackt und verschnürt, an ein Drahtseil gehängt und bekam einen Stoss. Hoch über dem Boden ging es an einer Seilbahn bis runter zur anderen Seite. Das Ganze hat zwar nur ein oder zwei Minuten lang gedauert, war für mich aber Adrenalin pur, schon allein wegen meiner Höhenangst. Zuerst schrie ich laut, dann klammerte ich mich mit meinen Händen so fest an das Drahtseil, dass ich hinterher Muskelkater hatte. Ich schloss die Augen, hörte nur noch, wie die Kugel über das Drahtseil surrte, fühlte, wie die warme Brise um meine Ohren fegte und dann... ja, dann war glücklicherweise schon alles vorbei und überstanden und ich war heil wieder unten.

Wanchai hat alles aufgenommen und direkt live auf Facebook gepostet, ich habe mein eigenes Handy lieber sicher in der Hose verstaut. Ausserdem lässt sich mit geschlossenen Augen auch nur schlecht fotografieren.

Die Knie zitterten noch und der Puls war auf 180, trotzdem trug ich ein Lächeln im Gesicht, ganz nach dem Motto: "Lass-dir-bloss-nichts-anmerken", wir fuhren mit dem Jeep zurück und ich ging schnurstracks in die leckere Pizzeria und gönnte mir auf den Schreck eine Stärkung. Damit war der zweitägige Ausflug in den Norden Thailands auch schon zu Ende und es ging nach Chiang Mai zurück.

    

Samstag, 27. August 2016

Eine Auszeit auf einer schwimmenden Villa

Zunächst ein kleiner Exkurs: Was ist der Unterschied, wenn jemand im August/ September oder im Dezember/ Januar nach Thailand reist? 

Während es zum Jahreswechsel sonnig und warm ist, ist es im August/ September sehr grün. Die Bäume und Palmen strotzen geradezu saftig vor Grün, überall wachsen wunderschöne Blüten, die Reis- und Gemüsefelder sind dicht bepflanzt und sämtliche Vögeln zwitschern so fröhlich im Park, dass es geradezu eine Wonne ist. 

  

Dazu gibt es ... Überschwemmungen. Vor allem auf den ungeteerten Straßen heißt es gelegentlich: Nur Schwimmen ist schöner. Es ist alles so wunderbar grün, weil es fast jeden Tag regnet. Mal tagsüber, mal nachts. Mal nur ein paar Minuten lang, mal eine Stunde. Aber eigentlich ist das nicht weiter schlimm, schließlich ist es immer noch zwischen 30 und 35 Grad warm. Wird das T-Shirt nass, trocknet es fast ebenso schnell wieder. Ich fand es ganz angenehm, zwischendrin eine Dusche und somit wieder einen kühlen Kopf zu kriegen, der Tag war ja trotzdem heiss.


  

Ein weiterer Vorteil sind die günstigeren Preise. Zwar verlangen die Hotels in den Touristenmetropolen wie z.b. Koh Samui oder Phi Phi immer noch gesalzene Preise, doch in Thailands Norden ist es richtig günstig. Ich kann mir ein Zimmer für längere Zeit mieten und dieses als Basis für Tagestouren nutzen. Selbst wenn ich woanders übernachte, lohnt es sich, das ursprüngliche Zimmer zu behalten.




In einfachen Hostels kostet eine Übernachtung beispielsweise zwischen 150 und 300 Bht, das sind umgerechnet zwischen vier und acht Euro pro Nacht. Schon für 400 Bht, also rund zehn Euro, gibt es ein Doppelzimmer im Hotel. Ich habe mir eine Unterkunft im Hotel gesucht, fast schon eine Suite: Mit zwei Zimmern habe ich rund 60 Quadratmeter zur Verfügung. Das vordere Zimmer ist mit Kühlschrank, Bar, Theke, Tisch und Stuhl ausgestattet und hat einen Balkon, dahinter liegt das Schlafzimmer auf der ruhigeren Seite, das ebenfalls einen Balkon hat. Dazu habe ich ein grosses Badezimmer, alles zusammen kostet 800 Baht pro Nacht, also ungefähr 20 Euro. Strom, Wasser, tägliche Reinigung und zwei Flaschen Wasser sind dabei inklusive, versteht sich. 

Will ich das Zimmer einen ganzen Monat lang mieten, kriege ich es zum Spezial-Preis von 12.000 Baht, das sind 400 Bht pro Nacht, also noch einmal die Hälfte. Das ist ein absoluter Spitzenpreis, umgerechnet sind das etwa 300 Euro, für die ich einen ganzen Monat im Hotel wohnen kann.

Sicherlich gibt es auch noch günstigere Appartements im Angebot, die dann nur 5.000 Bht pro Monat kosten. Das sind Preise, die andere für eine einzige Übernachtung in Koh Samui oder Phi Phi bezahlen. Ich dagegen freue mich über meine preiswerte Unterkunft und nutze lieber die Angebote von Vietjet Air, mit denen ich von Chiang Mai bis Bangkok oder Phuket für gerade einmal 600 Bht (ihr erinnert euch, das sind etwa 15 Euro) fliegen kann. Tagsüber kann ich mich dort am Strand vergnügen, abends geht es mit dem Flieger wieder zurück ;-) 

Zurück in Thailand
Nachdem ich in Vietnam, Kambodscha, Indien und Mexico auf meinen organisierten und geführten Reisen viele wunderschöne Orte gesehen habe und tolle Mitreisende kennengelernt habe, bin ich jetzt wieder auf eigene Faust unterwegs und, wie es so schön heißt: "Selbst ist der Mann". Und ich spüre, wie sehr ich es genieße, frei zu sein und wie ein Vogel dorthin zu fliegen, wohin ich will.

Seit über 15 Monaten bin ich jetzt schon auf der ganzen Welt unterwegs. Mir geht es sehr gut, ich fühle mich ausgezeichnet, auch wenn es mir scheint, dass ich langsam etwas müde von meinen Reisen werde. Trotzdem, egal was kommt, die vielen positiven Begegnungen und Erlebnisse, die ich in den vergangenen Monaten sammeln durfte kann mir ebenso niemand mehr nehmen, wie meine Erfahrungen.

Hier in Thailand habe ich nichts konkretes vor, habe keinen festen Plan. Der ist hier auch gar nicht nötig, schließlich lässt sich von hier aus alles sehr leicht und easypeasy organisieren. Zwar kommen Fragen auf, wie: Wie lange bleibe ich hier? Wie und wohin will ich weiter reisen? Miete ich mir ein Zimmer im Gästehaus oder im Hotel? Reise ich mit dem Flieger, dem Zug oder dem Bus umher? 

Hole ich mir mein Essen vom Imbiss auf der Strasse oder esse ich gediegen im Restaurant? Es ist egal - und alles ist gleichermaßen gut. Hier in Thailand reicht es aus, neugierig und reiselustig zu sein, der Faktor "Zufall" spielt einem dann schon die allerschönsten Bälle zu, man muss sie nur erkennen und aufnehmen.

So wie mein Abenteuer auf dem Stausee:
Ich kannte ihn schon von Bildern, den tollen Stausee, der nur eine Stunde Fahrt von Chiang Mai entfernt ist. Er liegt im Si Lanna National Park und heißt: Mae Ngat Somboon Chon Dam.

An seinem Ufer gibt es einige kleinere Resorts, in denen Hausboote, oder besser gesagt: schwimmende Häuser vermietet werden. Diese Angebote sind in keinem Reisekatalog zu finden, schließlich richten sie sich an die hiesigen Einwohner, die einfach mal der Stadt entfliehen wollen, hier baden und sich erholen können. Alles in allem ein echter Geheimtipp, den ich nur deswegen erfahren habe, weil ich mich mit den Einheimischen abgebe, statt nur die anderen Reisenden zu fragen. Auf diese Weise habe ich schon einige interessante und einzigartige Orte kennengelernt, zu denen sonst niemand kommt.

Zwar fand ich auf Airbnb einige Angebote rund um den Stausee, die allerdings völlig überteuert waren, wie ich finde (ab 10'000 Bht). Für ein Haus mit sechs Schlafzimmern für insgesamt zwölf Personen bezahle ich nur 3.000 Bht, das sind umgerechnet etwa 80 Euro. Der Transfer, die Boote, Schwimmwesten und das Trinkwasser war bereits im Preis erhalten, dazu hatten wir eine super nette Vermieterin, die uns sogar erlaubt hat, unseren Reis in ihrer Küche zu kochen. Ich war von dem Angebot jedenfalls so begeistert, dass ich meinen hiesigen Freund und Reiseführer beauftragte, er solle ein Haus mit sechs Schlafzimmern für mich mieten und dazu seine besten Freunde einladen. Da ich diese bereits kennen lernen durfte, war ich mir sicher: Gemeinsam werden wir wohl eine Mords-Gaudi haben.

Gesagt getan.

Die Häuser selbst schwimmen auf dem Wasser und sind ohne den Komfort, den wir so aus dem reichen Westen gewohnt sind. Dieser ist hier allerdings völlig unnötig, schließlich leben die Menschen hier ein Thailand einfach draußen, das heißt, auf der Terrasse - und das Wasser ist drumherum. Die Schlafzimmer sind sämtlich mit Matratzen und Bettbezügen ausgestattet, es gibt zwei Toiletten mit jeweils einer "Thaistyle Dusche", zusätzlich einen grossen Balkon, der sich als Veranda rund um das Haus zieht. Von dort aus kannst du gleich ins Wasser springen. Der Grill auf der Terrasse ist gleichzeitig die Küche, mehr ist auch nicht nötig.

Wenn du dich für den Aufenthalt hier mit Essen versorgen willst, gibt es zwei Möglichkeiten:
1. Du kaufst alles selbst ein, also das Essen und die Getränke, bringst alles zum Haus und kannst dann am Abend gemütlich dein Essen auf dem Grill kochen.

2. Du sagst dem Vermieter einfach Bescheid, dass du alles von ihm nimmst, sowohl das Essen als auch die Getränke. Hier hat jeder Vermieter ein kleines schwimmendes Restaurant, in dem kannst du einfach essen und trinken.

Und? Erratet ihr, für was ich mich entschieden habe? Haha... Genau... Wir machen einfach alles selbst!

Wir setzten uns, das heisst, insgesamt zehn Leute, in zwei Autos und fuhren zum Cash & Carry einkaufen und packten alles, was wir für zwei Tage an Essen und Getränken brauchten, in die Autos: Fleisch, Reis, Gemüse, Trinkwasser zum Kochen und Trinken, Eiswürfel, Kühlbox, Kohle fürs Feuer, Fisch, Hühnchen, Beef, Whisky, Cola, Bier, Chips, Toblerone, Moskito-Spray, Shampoo, Zahnbürsten, Seife, Badetücher, noch ein Moskito-Spray... 

Da kam schon einiges zusammen, aber schliesslich wollte ich sicher sein, dass niemand mit leerem Magen schlafen gehen muss.

Der Bon, den uns die Kasse ausspuckte, war bestimmt mindestens einen Meter lang. Alles zusammen hat übrigens schlappe 5.000 Bht gekostet, umgerechnet etwa 130 Euro. Ich glaube, bei uns hätten wir dafür lediglich die drei Flaschen Whisky und zwei Kästen Bier bekommen. Hier jedoch war alles dabei, was wir für Mittags, Abends und das Frühstück brauchten, selbst an den Mitternachtssnack hatten wir gedacht. Und, ich kann euch sagen: Wir wurden wirklich mehr als satt und der eine oder andere Bauch war anschliessend ein bisschen runder. 

Mit den beiden bis unters Dach vollgepackten Autos fuhren wir zum Stausee, dort wartete am Parkplatz ein Pick-Up-Taxi auf uns. Wir luden alles um, stiegen ein und wurden vom Pick-Up bis zum Ufer des Stausees gebracht. Dort wartete ein Longtail-Boat auf uns, das uns zu unserem schwimmenden Resort bringen sollte, selbstverständlich alle Mann samt Sack und Pack.

Schon die Aussicht hier am Ufer war einfach atemberaubend: Vor uns dehnte sich die weite Fläche des Stausees, links erstreckte sich der dichte und grüne Dschungel des Nationalparkes und über allem erhoben sich weit hinten die Berge.


Zwar war sich der Kapitän zunächst noch nicht sicher, ob in sein Boot wirklich die Menge von zehn Personen und die vielen Getränke und Lebensmittel passen, oder ob es ob der Belastung sinken würde, aber hey, hier wird nicht lange überlegt und diskutiert, hier wird einfach ausprobiert, ob es funktioniert.

Wir luden alles ein, stiegen einer nach dem anderen ein - ich hielt es für angebracht und wartete bis zum Schluss, stieg dann als letzter ein. Man weiss schliesslich nie genau, was kommt. Haha.


Wir stiegen also ins Boot und beobachteten genau, was passiert. Würde uns das Boot tragen oder würden wir mit Mann und Maus einfach untergehen? Es war unglaublich: Nur wenige Zentimeter fehlten, dann wäre das Wasser über die Bordkante ins Boot geschwappt, doch der Kapitän meinte, dass es ausreicht, legte ab und flugs waren wir mitten auf dem Stausee unterwegs. Schließlich kann ja nicht viel passieren, oder? Ach, der eine oder andere meiner Mitreisenden kann nicht schwimmen? Wo sind eigentlich die Schwimmwesten hin?

  

Es dauert glücklicherweise nicht sehr lange, bis wir zu unserem schwimmenden Resort kommen. Insgesamt steht auf der Plattform ein grosses Haus auf der linken Seite: Das wird unsere Unterkunft. Daneben ist das schon erwähnte kleine Restaurant mit dem Landesteg für das Boot und rechts sind noch drei kleine Häuser. Sehr cool.

Ich bin ja gespannt darauf, wie ich in der Nacht wohl schlafen werde. Ob mich das Schaukeln auf dem Wasser sanft in den Schlaf wiegen wird? Am Himmel sind dunkle Wolken zu sehen: Ob sich diese zu einem kräftigen Gewitter entwickeln werden?

Ach, das ist alles egal. Die Hauptsache ist doch, dass wir Spass haben!

Zunächst müssen wir sämtliche Einkäufe in ihren Tüten vom Boot bis ins Haus bringen, dort auspacken und ein bisschen sortieren.

Kaum ist das erledigt, machen sich die Girls schon ans Kochen. Ich kann nur staunen, wie hier alles von alleine geregelt wird. Die einen kümmern sich um dies, die anderen um das andere. Mir wird gesagt, dass ich meine Badehose anziehen und einfach ins Wasser gehen soll. Kòbkûn ká oder für die Jungs: Kòbkûn kráb: So heisst "Danke" auf thailändisch.

Aber ich möchte auch mitmachen, helfen, anpacken, doch ich habe keine Chance. Ganz nach dem Motto: "Viele Köche verderben den Brei" schicken mich die Girls wieder aus der improvisierten Küche. Während Wanchai den Girls helfen darf und das Gemüse mit vorbereitet, feuert ein anderer Freund den Grill an und achtet darauf, dass immer genügend Glut auf diesem liegt.

Alles ging übrigens unglaublich schnell: Kaum hatte ich meine Badehose an, konnte ich schon Platz nehmen und die Vorspeise wurde aufgetischt: Es gab leckeres Gemüse mit Reis. Kurze Zeit später waren schon der Fisch und das saftige Steak gegrillt, immer wieder wurde etwas Neues aufgetischt. Wo haben die nur das viele Essen her? Ich habe doch vorhin im Supermarkt gar nicht bemerkt, dass wir so viel eingekauft haben? Wow.

So ging es die nächsten 24 Stunden lang, gelegentlich von ein wenig Schlaf unterbrochen: Irgendjemand hat immer wieder etwas zum Essen zubereitet, oder mir etwas zu Trinken hingestellt.

Ich kann nicht genau sagen, ob es einfach nur Dankbarkeit war, oder ob es daran lag, dass ich der Älteste war. Ich glaube aber, es war einfach, weil jeder Spass an der Gesellschaft der anderen hatte. Jeder war froh, dass er aus der Stadt konnte und hier gemeinsam mit den Freunden, gutem Essen, Musik und Drinks am Wasser Spass zu haben. Es ist so unglaublich wenig, was man braucht, um Menschen glücklich zu machen und um damit selbst glücklich zu sein.

Obwohl es kurz regnete und stürmte, liessen sich die Jungs nicht davon abhalten, ins Wasser zu gehen. Sie sprangen vom Turm, paddelten mit dem Kajak auf dem Stausee herum und alberten dabei auf eine solch unnachahmliche Weise, dass es einfach vergnüglich war.

Cool. Ich denke, ich klopfe mir einfach dafür mal auf die Schulter und sage mir: Hast alles richtig gemacht.

Gleich nach diesen tollen zwei Tagen auf dem Stausee ging es wieder zurück nach Chiang Mai - und ich durfte zu meinem zweiten Zahnarzt-Termin.

Während beim ersten Termin alles genau angeschaut wurde, die alte Brücke entfernt und ein Zahn gezogen wurde, damit die neue Brücke stabil eingesetzt werden kann, wurden mir zunächst alle vorhandenen Zähne gründlich gereinigt und poliert. Dann wurden die Zähne abgeschliffen, auf die demnächst die neue Krone kommt, noch eine alte Krone entfernt und eine kleine Brücke eingesetzt. Jetzt sind nur noch drei weitere Termine nötig, bis die grosse Zahnbrücke hergestellt ist und eingesetzt werden kann. Sämtliche Arbeiten liegen dabei immer noch innerhalb des Budgets, das ich in Deutschland für nur eine dieser Arbeiten hätte bezahlen müssen, kriege also für das gleiche Geld wesentlich mehr Leistung. Und ich bekomme auch weder Affenzähne, noch Second-Hand-Zähne eingesetzt.

Tatsächlich fühle ich mich in dieser Klinik sehr wohl. Sie ist sauber, modern und ich werde von total freundlichem Personal umsorgt. Es ist die Dental World Clinic und bis jetzt kann ich sie wirklich uneingeschränkt empfehlen.

Hmm. Obwohl ich wirklich ausreichend Moskito-Spray benutze, bin ich am ganzen Körper von unglaublich vielen Stichen übersät und es juckt überall. Manchmal habe ich den Eindruck, dass ich die Biester mit dem Spray extra anlocke. Warum sollten sie mich sonst so ausgiebig stechen? Oder liegt es an meiner hellen Hautfarbe, die hier relativ selten ist? Benutze ich das falsche Parfum oder Deo? Ich habe einfach keine Ahnung. Aber solange ich kein Dengue-Fieber oder Malaria bekomme, ist alles paletti und im grünen Bereich.

Ich jedenfalls bin gespannt darauf, wohin mich meine Reise als nächstes führen wird. Immerhin stehen ja noch Trekking, Flight of the Gibbon und der Besuch bei Wanchais Familie auf dem Plan. Die Hauptsache ist, dass sich bloss keine Langeweile breitmacht.

Und tschüss.